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Es gibt eine immer stärkere Voranschreitung des Digitalen. Durch die Digitalisierung von Medien und durch elektronischen Geräte in unserem Alltag und Umgebung verlieren immer mehr reale Objekte ihre physische Präsenz.

Unsere Kulturwerke - Elite oder Mainstream - wie Musik, Filme und Bücher sind bereits vermehrt nur noch durch einen Bildschirm erfahrbar.

Sie treten ohne einen realen Körper und Volumen in unsere Wahrnehmung. Losgelöst von ihrer Materialität, verschwindet mit diesen verlorengegange Objekte auch ihre Wirkung auf die Umgebung. Die direkte Erfahrbarkeit des Gegenstandes und ein persönlicher Eindruck über dessen Besitzer für Dritte geht verloren.

Im Umkehrschluss wird das einzelne, physisch noch vorhandene, Objekt wichtig und wertvoll. Die Vitrine 2020 bietet diesen verbleibenden, bestehenden, Gegenständen einen Platz.




Textauszug aus der Dokumentation

Die stärkste Veränderung im Wohnbereich ist die immer größer werdende Präsenz von Mediengeräten und Bildschirmen. Objekte die uns im Alltag stetig begleiten, im Privaten und in der Arbeit dienen. Geräte die zu einem festen Bestandteil unserer Gesellschaft und deren alltäglichen Handlungen und Bedürfnissen geworden sind. Der Computer und das Internet sind heute, wirtschaftlich sowie privat, nicht mehr wegzudenken, haben einen festen Platz in dem Unter- und Miteinander eingenommen, ohne den wir nicht mehr in der Lage sind frei zu agieren. Filme, Musik, Bücher, Arbeit, Informationen, Gespräche, alles ist in dem Computer vereint und durch einen Monitor zum Ausdruck gebracht. Geräte wie der Fernseher sind schon seit Jahrzehnten zu einem festen Bestandteil unseres Wohnraumes geworden, der oft als zentraler Punkt des Wohnzimmers platziert ist auf welchen sich andere Möbel ausrichten und abgestimmt sind. Neue Spielekonsolen bringen Unterhaltung für die ganze Familie, Notebooks finden sich auf jedem Schreibtisch wieder und können überall mitgetragen werden, fast alle sind mit dem Internet verknüpft, um unbegrenzte Informationen und Medien wiedergeben zu können. Die Entwicklung des Mobiltelefons vereint alle diese Aspekte, (fast) alle Möglichkeiten des Computers sind auf eine Größe reduziert die ständig in unserer Hosentasche platz findet. Wir sind sind stetig mit dem Monitor, mit dem Virtuellen und Digitalen, umgeben.

Der Deutsche schaut im Durchschnitt circa 180min Fernsehen und surft 100min pro Tag im Internet. Filme können direkt aus dem Internet ausgeliehen und gestreamt werden, Musik als Dateien in Onlinestores gekauft werden und auf MP3-Playern wiedergegeben werden, Fotoalben mit Menschen auf der ganzen Welt „geshared“ werden, Identitäten und persönliche Ereignisse, Informationen, Meinungen und Unterhaltungen durch das Internet getätigt und eingesehen werden. Viele Bücher können sind bereits digital verfügbar und können, zum Beispiel, für einen eBook-Reader als reine Datei gekauft werden, Barnes and Noble, Amazon und andere große Versandhäuser bieten seit neuste, einen Großteil ihrer Bücher als Datei zum Verkauf an, Büchereien stellen auf den Verleih im digitalen Format um. Die Medien, Dinge, Ereignisse unser heutigen Zeit sind vornehmlich auf Festplatten und dem weltweitem Netzwerk gespeichert und über einen Bildschirm vermittelt.

Der Vorteil dieser Entwicklung ist nicht von der Hand zu weisen. Immer und überall alles auf kleinstem Raum dabei zu haben und erreichen können. Es überbrückt die Distanzen, schafft Zwischenräume ab, ermöglicht jedem auf der Welt das Gleiche zu haben, zu erwerben und nutzen zu können, sowie miteinander verknüpft zu sein. Globalisierung in seiner reinsten Form. 85% der Internetnutzer sind in einem „Sozialen Netzwerk“ wie Facebook oder Xing angemeldet und etwa die Hälfte der jungen Arbeitnehmer bevorzugt die Kommunikation über diese, gegenüber Telefon oder eMail. 73% der Jugendlichen nutzen Messenger wie Skype oder ICQ zu für ihre tägliche Kommunikation mit Bekannten. Der Verkauf von digitaler Musik stieg über die letzten Jahre um 940%, der itunes-Store ist in den USA größter Musik-Handel und Verkäufer. Google digitalisiert Bücher in Massen. Der technischer Fortschritt und die Vereinnahmung aller Bereiche mit welchen das Internet in Berührung kommt treiben diese Entwicklung immer weiter voran und begünstigen diese. Das digitale, virtuelle, Bildschirmbezogene weitet sich immer weiter auf das Leben und tägliche Handeln des Menschen aus.

Wirkliche, haptische, Erlebnisse und Medien treten in den Hintergrund. Die physische Begegnung mit Dingen wird übergangen, es ist nur noch Inhalt vorhanden, das Objekt dass diesen umgibt verschwindet. Bedeutet dies auf der einen Seite ein Vorteil an Ressourceneinsparung und die Möglichkeit des Sharings, stellt es auf der anderen Seite einen Verlust der persönlichen Bindung an ein Objekte dar. Mit einer reinen Musikdatei wird nicht soviel verbunden wie mit einer CD-Hülle, welche man in der Hand hält, dem Booklet zum ausklappen und dem Ereignis eine CD einzulegen, zu starten und den Lautstärkeregler hoch zu drehen. Das anfassen und „wirkliche“ Besitzen eines Objektes wird immer eine stärkere Bindung hervorrufen als eine nicht greifbare Datei. Dinge haben nichtmehr die Möglichkeit sich über die Jahre zu verändern, eine eigene Patina zu erhalten und die damit verbunden Aussagen und Erinnerungen inne zu halten. Eine Datei ist anonym, sie ist nur eine Kopie von vielen. Zwar ist dies im Grunde genommen bei jeden Medium was in Masse hergestellt wird der Fall, wie Bücher und CD‘s, es gibt aber trotzdem eine Hülle, einen „wirklichen“ Besitz, durch den ein stärkerer persönlicher Bezug hergestellt wird. Dem digitalen fehlt das haptische Erlebnis, die Formgebung des Objektes, die Veränderbarkeit. Gleichzeitig geht die Erfahrbkeit für Dritte Verloren. Außenstehende Personen können nicht auf einen Blick erleben, sehen mit welchen Objekten und Dingen sich andere Person umgeben und die damit verbundenen Interessengebiete, Geschmäcker und Vorlieben entdecken. Man kann die Dinge nichtmehr frei greifen und anschauen, die Medien sind in dem Computer gefangen. Zusätzlich strahlen die Objekte nichtmehr auf den Raum aus, ihre Farben, Formen, Wirkungen sind nichtmehr vorhanden, der Raum verliert an Abwechslung und Vielfalt.